


28.03.26 –
Oberallgäu – Es braucht mehr Aufmerksamkeit für die psychische Gesundheit junger Menschen. Dies belegen die Ergebnisse der aktuellen Jugendstudie der Grünen im Oberallgäu. Die befragten Jugendlichen äußerten eine Zunahme psychischer Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen. Die Partei hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, landkreisweit konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um die mentale Gesundheit junger Menschen nachhaltig zu stärken und präventive Strukturen auszubauen.
Mentale Gesundheit muss zum Kulturgut der Schulen werden
Die Befragung zeigt, dass Einsamkeit und Orientierungslosigkeit für viele Jugendliche ständige Begleiter sind und der Bedarf an niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten steigt. Christina Mader, Vorsitzende der Grünen Kreistagsfraktion, initiierte nun ein Fachgespräch mit Eltern und Fachkräften. „Prävention muss früher ansetzen“, so Mader. Schulungen für werdende Eltern seien ebenso denkbar wie Beratungsangebote bereits in Kindergärten. Weiter regte sie an: „Mentale Gesundheit muss zum Kulturgut der Schulen werden. Kinder und Jugendliche brauchen Schlüsselkompetenzen wie Stressbewältigung und Selbstregulation, um resilient durchs Leben zu gehen.“ Das Thema müsse Eingang in die Schulen im Oberallgäu finden mit dem Bestreben, Lebenskompetenzen systematisch zu vermitteln. Als konkrete Maßnahmen fordern die Grünen den Ausbau multiprofessioneller Teams an Schulen, bestehend aus Sozialarbeitern, Psychologen und Gesundheitsmanagern.
Sowohl präventive Maßnahmen als auch Hilfsangebote für Betroffene sind auszubauen
„Bildungseinrichtungen brauchen starke Teams für starke Kinder“, unterstrich Simone Felber, die in ihrer Praxis für Systemische Therapie in Sonthofen betroffene Familien begleitet und Fachkräfte supervidiert. Aus ihrer praktischen Arbeit erlebe sie zunehmend, dass Kinder und Jugendliche mit deutlich geringerer Frustrationstoleranz, wachsender Verunsicherung und häufiger auch mit Schulvermeidung reagieren. Besonders seit der Corona-Pandemie habe sich der Unterstützungsbedarf vieler Familien deutlich erhöht. Diese Entwicklungen seien keine Einzelfälle mehr, sondern Hinweise auf strukturelle Belastungen im Lebensalltag vieler Kinder und Jugendlicher. Felber betonte, dass mentale Gesundheit nicht erst in der Therapie entstehe, sondern im Alltag von Kindern – durch verlässliche Erwachsene, klare Orientierung und stabile Rahmenbedingungen. Neben einem schnelleren Zugang zu Hilfsangeboten brauche es daher vor allem präventive Strukturen: ausreichend Fachpersonal in Kitas und Bildungsinstitutionen, gut ausgestattete multiprofessionelle Teams an Schulen sowie niedrigschwellige Angebote zur Unterstützung von Eltern. Auch die Ganztagsbetreuung könne hier eine wichtige Rolle spielen, wenn sie qualitativ gestaltet werde. „Es darf nicht um eine bloße Anwesenheit gehen“, so Felber. Vielmehr böten die Nachmittagsstunden die Chance, Kindern durch Sport, kreative Angebote und soziale Erfahrungen Räume für Selbstwirksamkeit und Persönlichkeitsentwicklung zu eröffnen. Entscheidend sei dabei, dass genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung stehe und pädagogische Qualität gesichert werde.
Hilfen besser vernetzen: durch eine zentrale Anlaufstelle im Landratsamt
Die Familienbeauftragte des Landkreises Antje Piekenbrock verwies auf Beispiele in skandinavischen Länder, in denen größere Kommunen Koordinatoren einsetzen, die Menschen in komplexen Lebenslagen unterstützen und sie durch das vielschichtige soziale Hilfesystem begleiten. Auch sie unterstrich die Bedeutung präventiver Ansätze: „Erfahrungen aus Skandinavien zeigen, dass Investitionen in Prävention menschliches Leid verringern und langfristig auch die Folgekosten für das Gesundheitswesen und die Sozialkassen senken“, so Piekenbrock. Vor diesem Hintergrund regte sie an, auch im Landkreis die Einrichtung einer zentralen Koordinierungsstelle zu prüfen, um Hilfen besser zu vernetzen, Betroffenen eine verlässliche Begleitung aus einer Hand zu ermöglichen und präventive Ansätze systematisch zu stärken. Sonja Kehr, Jugendbeauftragte in Waltenhofen, forderte eine Enttabuisierung des Themas: Körperliche Krankheiten würden selbstverständlich beim Arzt vorgestellt, bei seelischen Belastungen hingegen zögerten viele Betroffene, sich Hilfe zu holen. Doch gerade im Bereich der psychischen Gesundheit, wo die Wartezeiten für psychologische und psychiatrische Hilfe lang sind, ist frühes Handeln entscheidend. „Das Thema ist nach wie vor schambehaftet. Um das zu ändern, muss es uns gelingen, Eltern gezielte Informationen an die Hand zu geben. Hier sind Politik und Gesellschaft gleichermaßen gefordert.“
Mit dem Start in die neue Legislatur wollen die Grünen die erarbeiteten Vorschläge in die politischen Gremien tragen.
Bild 1: Simone Felber
Bild 2: Christina Mader und Sonja Kehr
BIld 3: Antje Piekenbrock und Simone Felber
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