
10.01.26 –
Pressemitteilung – Vor 42 Jahren verfassten Bündnis 90/Die Grünen mit dem Allgäu-Programm ein wegweisendes Dokument regionaler Eigenständigkeit und ökologischer Verantwortung. Anlässlich einer prominent besetzen Podiumsdiskussion mit 160 Gästen erinnerten die lokalen Grünen nicht nur an diese programmatische Pionierleistung, sondern spannten zum Ende des Jahres 2025 noch einmal den Bogen zu 500 Jahren Bauernkrieg und der Frage, was demokratischer Widerstand heute bedeutet.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Aktualität des Allgäu-Programms, das Ökologie und Menschenrechte als untrennbare Einheit begreift. Thomas Gehring, Landtagsvize a.D. und Sprecher der Oberallgäuer Grünen, eröffnete den Abend mit einem Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Programms: „Dieses Dokument war ein Aufbruch von unten – eine radikale Absage an den Wachstumswahn und die rücksichtslose Ausbeutung unserer Landschaft. Heute, in Zeiten der Klimakrise, klingt diese Kritik fast prophetisch.“ Er verwies auf konkrete Passagen des Programms, die bereits in den 1980er Jahren vor den Folgen industrieller Übernutzung warnten und einen Tourismus anprangerten, der seine eigenen Grundlagen zerstört.
Claudia Roth lenkte in ihrem Beitrag den Blick auf die historischen Parallelen: „Vor 500 Jahren erhoben sich mutige Menschen im Bauernkrieg gegen Unterdrückung und Unfreiheit – darunter unzählige Frauen, deren Beitrag bis heute kaum gewürdigt wird“, erinnerte sie. Roth betonte, dass die Memminger Zwölf Artikel nicht nur ein Aufstand gegen feudale Strukturen war, sondern auch ein Kampf für Mitbestimmung und soziale Gerechtigkeit – Themen, die im Allgäu-Programm aufgenommen wurden.
In einer emotionalen Passage warnte die Bundespolitikerin vor den immer offener agierenden Verfassungsfeinden im Parlament und forderte die Zuhörer auf, sich aktiv für demokratische Werte einzusetzen: „Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie lebt davon, dass wir jeden Tag aufs Neue für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde eintreten.“ Unter Bezugnahme auf den Philosophen Ernst Bloch mahnte sie: „Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt.“ Ihr Appell gipfelte in einer klaren Botschaft: „Artikel 1 des Grundgesetzes – die Unantastbarkeit der Menschenwürde – ist kein abstrakter Satz, sondern eine verbindliche Handlungsanweisung für uns alle.“
Die anschließende Podiumsdiskussion moderierte Christina Mader, die Oberallgäuer Landratskandidatin der Grünen. „Das Allgäu-Programm beweist: Politik entsteht nicht in abstrakten Debatten, sondern im konkreten Handeln vor Ort – in der Kommunalpolitik, wo Mut und Entschlusskraft direkt über die Zukunft unserer Region entscheiden“, resümierte sie. Dann warf sie eine kritische Frage in den Raum: „Wenn wir heute auf die letzten Jahrzehnte zurückblicken: Haben wir wirklich genug von diesem Mut bewiesen? Oder haben wir uns zu oft in Kompromissen verloren, die am Ende niemandem gerecht werden?“ Die Antworten hierauf gaben Claudia Roth, Thomas Gehring, Michael Marmon als Mit-Initiator des Allgäu-Programms sowie Autor Volker Klüpfel. Der gebürtige Altusrieder war selbst im vergangenen Sommer auf der Freilichtbühne aktiv, um als Schauspieler beim großen Freilichtspiel „1525 – Bauernkrieg“ an die Zwölf Artikel zu erinnern. Mit ihren oft humorvollen Fragen gelang Mader eine geschickte Mischung aus unterhaltsamen Momenten und tiefgründigen Debatten.
„Erinnerungskultur bedeutet nicht, Geschichte abzuhalten“, so die abschließenden Worte von Claudia Roth. „Vielmehr muss es uns gelingen, ihre Lehren für heute zu nutzen.“ Das Allgäu-Programm der Grünen stehe dabei als Symbol – für eine Haltung, die Schöpfung bewahrt, Freiheit aktiv verteidigt und Solidarität über Generationen hinweg lebt.
Im Bild: Christina Mader, Volker Klüpfel, Michael Marmon, Claudia Roth und Thomas Gehring.
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