Milcherzeuger mit dem Rücken zur Wand

08. Feb. 2018 –

Immenstadt - Ein Filmabend, zu dem die Oberallgäuer Grünen ins Union-Filmtheater in Immenstadt eingeladen hatten, offenbarte den ganzen "Irrsinn" der weltweiten Milch(über)produktion. Der Film "System Milch" des Grimme-Preisträgers Andreas Pichler zeigt deutlich, wie das System die Bauern unter Druck setzt und der Umwelt schadet. Von dem bis heute teilweise noch romantisch verklärten Bild einer idyllischen Milchviehwirtschaft bleibt dabei nicht viel übrig. Aus dem Geschäft mit Milch ist eine milliardenschwere Industrie geworden, mit der Ausrichtung, dass der Milchkonsum weltweit ansteigt und die Preise niedrig bleiben. Zuviel Gülle führt zur Belastung des Grundwassers, der Kraftfutterproduktion fallen Regenwälder zum Opfer und subventionierte Dumpingpreise für Milchpulver zerstören die einheimischen Märkte in Afrika. Die EU subventioniert das Ganze über Zuschüsse aus ihrem 45 Milliarden schweren Agrarhaushalt. Die Erzeuger stehen mit dem Rücken zur Wand - oft bleibt den Bauern gerade mal so viel Verdienst übrig wie die EU an Zuschüssen zahlt.
Über 100 Besucher hatten den Weg ins Kino gefunden um nach der Vorführung mit den beiden Grünen-Landtagsabgeordneten Ulli Leiner und Thomas Gehring, Hans Foldenauer (Vorstandssprecher des Bund Deutscher Milchviehhalter) und Franz Berchthold (Geschäftsführer der Bio-Schaukäserei Wiggensbach) zu diskutieren. Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes und des Großkonzerns Arla ließen sich entschuldigen. Fazit der lebhaften Diskussion: Nur gemeinsam können Politik, Bauern und Verbraucher etwas ausrichten. Leiner und Gehring fordern flächengebundene Förderungen, eine stärkere Unterstützung regionaler Strukturen und eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln zu deren Herkunft. Um politisch etwas zu verändern, brauche man auch die entsprechenden Mehrheiten. Für Foldenauer wurden die Bauern von Steuergeldern abhängig gemacht, er sieht die wesentliche Verantwortung bei der Politik. Noch keine Regierung habe bisher die Entwicklung umkehren wollen. Für die Landwirte sei es schwer dem System zu entrinnen, sieht Berchtold auch die Verbraucher gefordert. Die Wertschätzung für regionale und Bioprodukte sei durchaus da, möchte er "verstärkt den Dialog zwischen Erzeugern und Verbrauchern führen". Im Allgäu seien zum Glück teilweise noch Alternativen und kleinräumige Strukturen vorhanden, so Gehring. Leiner sieht die politische Einsicht wachsen, die Milchmenge zu steuern und zu begrenzen. Der Film zeige "sehr realistisch wie die Exportorientierung den Milchpreis bestimmt".

 

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