Es ist Zeit, Verantwortung in der Klimakrise zu übernehmen!

Europawahlen sind auch Klimawahlen

23. Mai. 2019 –

Über 70 Jahre Frieden sollten Anlass genug sein, am kommenden Sonntag wählen zu gehen, richtete die Bundestagsvizepräsidentin einen emotionalen Appell an die 80 Besucher des Schiffs im Bihlerdorf. Sie waren gekommen, um Roths Reisereportage „Globale Verantwortung für existentiell durch die Klimakrise bedrohte Menschen und Regionen: Reise nach Bangladesch, Kiribati und Fidschi“ zu hören. „Wählen Sie bitte eine demokratische Partei!“ Frau Roth sprach eindringlich zu Vortragsbeginn über die wichtige Vorreiterrolle Europas in der Klimakrise. Europa müsse wichtige Maßnahmen gegen den Klimawandel endlich nach der Wahl einleiten, dies sei die zentrale Herausforderung in diesem Jahrhundert. Die Generationen, die heute sich die Erde teilen, seien die ersten, die zu den Betroffenen des Klimawandels gehören und die Auswirkungen spüren, und gleichzeitig auch die letzten, die etwas aktiv dem entgegensetzen können.

Millionen von Menschen weltweit ist die Klimakrise längst kein theoretisches Phänomen mehr. Bereits die derzeitige Erderwärmung von 1°C bedeutet vielerorts Überschwemmung oder Dürre, schürt Konflikte über Ressourcen wie Wasser, wirkt als Multiplikator bestehender Probleme und bedeutet den Verlust elementarer Lebensgrundlagen, sicheren Zuhauses, jahrtausendealter Kultur.

Während sich auch bei uns die extremen Wetterereignisse häufen, trifft die Klimakrise dabei in erster Linie den globalen Süden – und damit just jene Regionen und Menschen, die historisch betrachtet am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben.

Claudia Roth reiste zusammen mit Prof. Dr. Matthias Zimmer (CDU) und Dr. Frithjof Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) in die besonders von der Klimakrise betroffenen Länder Bangladesch, Kiribati und Fidschi. Dort suchte sie den Austausch mit Entscheidungsträger*innen, Betroffenen, Wissenschaftler*innen und der Zivilgesellschaft. Die Delegation machte sich vor Ort eindrücklich ein Bild davon, wie schon heute Millionen von Menschen zu Vertriebenen werden, Orte und ganze Inselstaaten durch den ansteigenden Meeresspiegel bedroht sind – und vor welch enormen existenziellen, finanziellen und logistischen Herausforderungen die Menschen stehen.

Eines machte die Reise besonders deutlich: Die Dringlichkeit, unverzüglich global umzusteuern, das Pariser Klimaabkommen umzusetzen und die globale Erderwärmung  auf 1.5°C zu reduzieren muss oberste Priorität erlangen, wenn wir das Schlimmste noch verhindern wollen. Nur durch radikalen Klimaschutz können irreversible Kettenreaktionen im Erdsystem und damit weitreichende Auswirkungen auf die Überlebensbedingungen und die Menschenrechte weltweit verhindert werden. Zugleich benötigen die schon heute besonders betroffenen Regionen und Menschen konkrete Unterstützung in der Anpassung und der Bewältigung bestehender Schäden.

In Bangladesch befinden sich 30 Prozent des bebauten Landes in einer von Überflutungen gefährdeten Küstenregion, die 35 Millionen Menschen beheimatet. Schon heute müssen Küstenbewohner*innen ihre Dörfer verlassen, weil die Böden aufgrund von Salzeintrag durch den Meeresspiegelanstieg nicht mehr bestellbar sind, oder weil Fluten ihre Dörfer buchstäblich verschluckt haben. Jeden Tag migrieren alleine 2.000 Menschen nach Dhaka; die allermeisten von ihnen leben in den zahlreichen Slums der Hauptstadt. In der drittgrößten Stadt Khulna machen Binnenvertriebene fast ein Drittel der Bevölkerung aus. Experten rechnen in den kommenden Jahren mit weiteren Millionen von Menschen, die im Kontext der Klimakrise ihr Zuhause verlieren. Vor diesem Hintergrund verdeutlichte die Premierministerin Scheich Hasina Wajed in einem Gespräch mit der Delegation die Schwierigkeit des Landausgleiches für diese Menschen, da Bangladesch als extrem dicht besiedeltes Land alle verfügbaren Flächen dringend für die eigene Nahrungsproduktion benötigt.

Mit den Sunderbans sind auch die größten Mangrovenwälder der Erde  und UNESCO-Weltnaturerbe durch die Erderwärmung und fossile Energie-Abhängigkeit gefährdet. Dabei bietet die grüne Lunge der Region den wichtigsten Schutz vor Zyklonen im Küstengebiet.  Immer häufiger auftretende Salzwasserüberflutungen greifen die Mangrovenwälder zunehmend an; zudem wird derzeit in der Nähe des empfindlichen Ökosystems unter Beteiligung eines Unternehmens aus Deutschland ein Kohlekraftwerk errichtet.

Der Besuch des aus 33 Atollen bestehenden Kirbati zeigte die buchstäbliche Fragilität der kleinen Inselstaaten durch den ansteigenden Meeresspiegel. Die höchste Erhebung des Hauptatolls liegt nur drei Meter über dem Meeresspiegel, das Atoll ist oft nur wenige Meter breit und wirkt wie ein dünner Strich inmitten gewaltiger Wassermassen. Kam die „King-Tide“ früher nur maximal einmal im Jahr, rechnen die Bewohner*innen inzwischen fast monatlich mit starken Fluten. Das Überleben Kiribatis und die Bewohnbarkeit der Atolle hängt damit maßgeblich von den Anstrengungen der Weltgemeinschaft ab, die Erderwärmung auf 1.5°C zu reduzieren.

Gleiches verdeutlichte auch der Außenminister Fidschis, Inia Seruiratu. Die Veränderungen klimatischer Verhältnisse hin zu mehr Regen, mehr Überflutungen und häufigeren Sturmfluten seien auch auf Fidschi deutlich spürbar. Während innerhalb Kiribatis Umsiedlungen gar nicht mehr denkbar sind, wurden auf Fidschi erste Dörfer der Küstengebiete bereits umgesiedelt.

Die Reise hat deutlich gezeigt: Die Realität vor Ort lässt es nicht zu, die Klimakrise weiterhin kleinzureden, geschweige denn zu leugnen, oder die Hände in den Schoß zu legen. Die Menschen vor Ort haben große Erwartungen an die Industriestaaten und an Deutschland: Sie erwarten hohe Anstrengungen zur Eindämmung der Klimakrise und tatkräftige Unterstützung bei bestehenden Schäden durch die Hauptverursacher dieser menschgemachten Krise. Und sie erwarten einen würdevollen und gerechten Umgang mit denjenigen Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beitragen und dennoch im Kontext dieser Krise gezwungen sind, sich ein neues Zuhause zu suchen. Der Handlungsbedarf ist dringend. Neben dem radikalen Kampf gegen die Klimakrise muss es deshalb unsere Aufgabe sein, die betroffenen Staaten darin zu unterstützen, effektive und würdevolle Lösungen vor Ort zu entwickeln. Es ist eine Frage historischer Klimagerechtigkeit, dass wir in den Industriestaaten nicht weiter den Kopf in den Sand stecken, sondern Verantwortung übernehmen. Der Umgang mit der Klimakrise und klimabedingter Migration, Flucht und Vertreibung sind schon heute zentrale Fragen der globalen Gerechtigkeit. Nun braucht es Antworten.

Mitreißend sprach die Bundestagsvizepräsidentin und „gab der Klimakrise nicht nur ein Gesicht sondern eine Stimme“, so Kreissprecherin der Grünen Christina Mader. Den Vortrag schloss die 17-jährige Schülerin Lilly Fischer mit einer selbstverfassten Reisereportage über Kiribati, der Gruppe von Atollen, die am Ende untergehen werden, ab. Ihre Großmutter lebt genauso wie ihre Tante in dieser Gewissheit dort. Am Schluss machten die FridaysForFuture Aktivistinnen und Aktivisten  nochmals deutlich, dass nur mehr 12 Jahre bleiben, um der Klimakrise etwas entgegenzusetzen und baten die Zuhörer um Unterstützung bei der Kommenden Demonstration unter dem passenden Motto: Europawahlen sind Klimawahlen.

Hier finden Sie den offiziellen Reisebericht von Claudia Roth:

https://claudia-roth.de/wp-content/uploads/2019/04/190416-Claudia-Roth-Reisebericht-Bangladesch-Kiribati-Fidschi.pdf

 

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