Energiewende jetzt: Verbrauch halbieren, Erneuerbare ausbauen

Vortrag und Videoaufzeichnung von Professor Christian Holler, Hochschule München

06.04.22 –

„Wir müssen unseren Energiebedarf halbieren, um die Energiewende zu schaffen.“, resümiert Professor Christian Holler am Ende seines Vortrages, den gebannt knapp 70 Personen digital mitverfolgt haben. Die Organisatoren, Oberstdorf-for-Future, Bund Naturschutz und B‘90/Die Grünen, luden gemeinsam mit weiteren Organisatoren breit zum Vortrag Erneuerbare Energien zum Verstehen und Mitreden ein. Der Experte weckte das Interesse vieler und konnte ihnen auf nachvollziehbare Art konkrete Impulse für die notwendigen Veränderungen mitgeben.

Um die Debatte zu erneuerbaren Energien nicht nur verständlich, sondern auch anschaulich zu machen, verkörperte ein(e) FahrradfahrerIn die Einheit von einer Kilowattstunde: zehn Stunden muss kräftig geradelt werden, um diese zu erzeugen. In Form von Strom kostet die Kilowattstunde heute circa 30 Cent und ist gleichwertig zu 100 Milliliter Benzin. Eine Kilowattstunde reicht aus, um ein Essen zu kochen, die Waschmaschine bei 60 Grad laufen zu lassen oder drei Minuten warm zu duschen. 120 Kilowattstunden verbraucht der Durchschnitts-Deutsche jeden Tag. Konkret bedeutet das: Jeder von uns beschäftigt 120 Energiesklaven, wie der bekannte Physiker Harald Lesch es auf den Punkt bringt. 85 Kilowattstunden kommen als tatsächliche Endenergie beim Verbraucher an, denn die Verluste bei der Gewinnung und Umwandlung schlagen kräftig zu Buche.  Professor Holler machte Mut zur Veränderung: Beim Endenergieverbrauch kann jeder ganz konkret wirksam werden: Weniger Auto fahren, weniger Heizen und weniger Stromfresser nutzen. Auch unser Konsumverhalten trägt zur Energiewende entscheidend bei.  

Beim Gesamtenergieverbrauch liegen die Erneuerbaren Energien in Deutschland bisher nur bei 15 Prozent.  Hier dominieren noch immer deutlich die fossilen Energieträger, im Gegensatz zum Stromverbrauch, wo ihr Anteil schon gut 40 Prozent erreicht.

Was braucht die Energiewende von uns?

Entscheidend ist, so Professor Holler, den Energieverbrauch enorm zu senken und gleichzeitig die Erneuerbaren Energien massiv auszubauen. Betrachte man den möglichen Beitrag, den einzelne erneuerbare Energiequellen wie Geothermie, Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft für eine klimaneutrale Energieversorgung leisten können, werde schnell deutlich, dass in ihrem Ausbau entscheidendes Potential liegt.  Die bisher gültigen Ausbauziele der Bundesregierung müssen verdreifacht werden, lautet seine klare Forderung. Das bedeute jährlich ca. 270.000 Dächer mit Solarpanelen zu belegen und 50 bis 100 Quadratkilometer Freiflächen mit Solaranlagen zu versehen, um die angestrebte Klimaneutralität zu erreichen. Bei der Windkraft ist es noch deutlicher: Dort müsste im Vergleich zu 2020 die Anzahl der gebauten Anlagen onshore verfünffacht und offshore sogar um das Dreizehnfache gesteigert werden. Neben Solar- und Windkraft gäbe es kaum Energiequellen, die einen relevanten Beitrag leisten könnten. „Wir müssen dringend in diese beiden Energieformen investieren und mit ihnen leben lernen, wenn wir unser Wohlstandsniveau in etwa halten wollen“, so Professor Holler in seinem spannenden online-Vortrag für die Oberallgäuer.

Internationale Zusammenarbeit

Zur Energiewende gehöre auch, weltweite Entwicklungen mitzudenken: „Ziel muss es sein, im eigenen Land zu produzieren und weitgehend unabhängig zu werden.“ Neben einem international vereinbarten CO2-Preis brauche es eine gemeinsame Abpufferung von Stromschwankungen. Energieimporte seien auch künftig unvermeidbar, aber in deutlich verringertem Umfang.  In allen Ländern der Welt steige der Energie-Bedarf weiter, vor allem in geringer entwickelten. „Sie haben ein Recht, mehr Wohlstand zu entwickeln. Unsere Aufgabe ist es, ihnen den neuesten Stand der Technik zu eröffnen, damit sie das fossile Zeitalter mit den Kohlekraftwerken direkt überspringen und in Erneuerbare Energien investieren können,“ forderte Holler.

Technisch sei die Energiewende möglich. Existentiell bedeutsam ist die Frage, wieviel Zeit sich die politischen Entscheider bei der Umsetzung nehmen. „Allen muss klar sein, dass wir keine Zeit verlieren dürfen. Noch wird die Energiewende nicht mit aller Kraft vorangetrieben,“ lautet das kritische Fazit von Professor Holler.

„Wir sprechen in der Politik noch viel zu wenig über Energiesparen, weil dies eine unpopuläre Forderung ist“, resümiert Rudi Kaiserswerth von Oberstdorf-for-Future (OfF). „Wir brauchen einen anderen Lebensstil, der sich daran orientiert, was jede und jeder wirklich an Waren und Gütern braucht.“

„Nur mit technischen Maßnahmen wird die Energiewende nicht gelingen. Als gesellschaftliche Aufgabe braucht sie die Zusammenarbeit einer weltweiten Wertegemeinschaft, die gezielt in entsprechende Aufklärung und umfassende Bildung investiert.“ so die Oberallgäuer Kreisrätin Christina Mader.

„In Bayern brauchen wir den Abschied von der 10H-Regel“, fordert der Bund Naturschutz. „Wir müssen einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie als Ergänzung zur Solaroffensive im Land und auch im Oberallgäu voranbringen.“

Die Veranstalter fühlen sich durch die klaren und eindringlichen Worte des anerkannten Experten Professor Holler bestärkt. „Er hat deutlich gemacht, dass die Ausbauziele für Erneuerbare Energien verdreifacht und schnellstens erreicht werden müssen. Dafür müssen wir mit Wind- und Solarenergieanlagen in unserer direkten Umgebung leben lernen. Die Alternative bedeutet nämlich, dass uns die Zukunft unserer Kinder und Enkel egal ist.“

Hier können Sie den vollständigen Vortrag nochmals ansehen:

https://www.youtube.com/watch?v=USRxSYNFFAw

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