Antworten zu den Fragen bei der AZ-Podiumsdiskussion

Christina Mader bezieht nochmals konkret Stellung

13. Feb. 2020 –

Da nicht alle Fragen bei der Podiumsdiskussion gestellt werden konnten, wurden den Landratskandidaten im Nachhinein zugesandt und beantwortet. Aktuell können Sie die Antworten in der Allgäuer Zeitung lesen, leider nur sehr gekürzt und unvollständig. Das wird weder dem Fragenden noch dem Antwortenden gerecht. Lesen Sie hier nochmals Ihre Fragen mit den jeweiligen Antworten von unserer Landratskandidatin  Christina Mader nach:

 

Fragen an die Landrats-Kandidaten 2020:

An alle Kandidaten:

1. Heinrich Schwarz, Rettenberg:

Wie stehen Sie zu „Wald mit Wild“? 

 

Kein Mensch, auch ich nicht, will einen Wald ohne Wild. Aber es ist klar, für uns Grüne  gilt der gesetzliche Grundsatz „Wald vor Wild“, weil in dieser alpinen Region ein gesunder Mischwald nötig ist. Auf uns kommt der Klimawandel zu und so muss der Schutzwald zukunftstauglich gemacht werden, um seine Schutzfunktion vor Naturgefahren erhalten zu können.  In unseren Wäldern muss ein naturnaher Wildbestand das Ziel sein und alle Baumarten müssen auch ohne Zäune und andere Maßnahmen wachsen können, wie das in einigen Bereichen bereits der Fall ist.
 

 

2. Lena Heimhuber, Sonthofen:
Was werden Sie tun um Verbraucher, Unternehmen, die Landwirte dazu zu bringen, um  ökologisch bzw. nachhaltig zu wirtschaften, einzukaufen und zu handeln auch wenn das Einschränkungen und evtl. auch große Umbrüche in vielen Bereichen bedeutet?

 

Die Landwirtschaft wurde Jahrzehnte lang durch die Förderpolitik auf Wachstum und Intensivierung getrimmt. Für mich jedoch ist wichtig, kleinbäuerliche Strukturen und ökologische Leistungen zu fördern. Dazu muss das Fördersystem (Bayern und Bund) umgebaut werden. In der Region heißt das, ökologisch - regionale Produkte in allen Kreis-Einrichtungen und Großveranstaltungen zukünftig zu verwenden. Der Kreis und seine Kommunen haben hier eine Vorbildfunktion. Wir müssen die Chancen der Öko Modell Region, die wir ja sind, nutzen, damit mehr Produkte der heimischen Landwirte zu einem guten Preis in der Region vermarktet werden.

Mit einem Preis oder Siegel könnten wir gute Beispiele wie z.B. einen unverpackt Laden oder Regionalvermarktungskonzepte als Landkreis auszeichnen, um Kunden darauf aufmerksam zu machen und um Anreize für Nachahmer zu setzen.

 

3. Thomas Blenk, Wertach:Sind Sie gewillt, das vom ehemaligen Landrat Gebhard Kaiser verhängte Verbot der Wiedereinführung des Traditionskennzeichens SF für den Altlandkreis Sonthofen aufzuheben? Bei der Popularität der Traditionskennzeichen FÜS, MOD, ILL und KRU in benachbarten Landkreisen ist es nicht einzusehen, weshalb den Einwohnern des ehemaligen Landkreises Sonthofen ihr Altkennzeichen SF weiterhin vorenthalten werden soll, zumal dieses m. W. eines von nur wenigen in Bayern nicht wieder erlaubten Altkennzeichen sein soll. Nachdem Herr Kaiser nun schon sechs Jahre aus dem Amt ist, wäre es Zeit, dieses Verbot nun endlich aufzuheben.

 

Wir leben im Oberallgäu und das Kfz- Kennzeichen OA verkörpert unseren Landkreis. Das Kennzeichen SF wird eher der Stadt Sonthofen zugeordnet. Die Bürger der Stadt Sonthofen haben die Möglichkeit die Kennzeichenkombination OA-SF zu wählen. Diese Kombination ist für die Bürger aus Sonthofen reserviert.
Dies wurde auch im Einvernehmen mit der Stadt Sonthofen so beschlossen. Ich sehe deshalb keine Notwendigkeit dies zu ändern. Sollte aber ein entsprechender Antrag an den Kreis gestellt werden, kann darüber sicher neu beraten werden.
 

4. Brunhild Wentzel-Pohl und Gerhard Stiglmeier, Wertach:

Als Durchschnittsrentnerehepaar (Generationsvertragsnutznießer) verbleiben uns nach Abzug aller lau- fenden Kosten wie Miete, NK, Strom, Telefon ca. 600 Euro. Wenn man zur ärztlichen Untersuchung oder zum Einkaufen nach Kempten muss (wir besitzen keinen PKW), ergeben sich folgende Fahrtkosten pro Person: BUS: Wertach nach Oy-Mittelberg  € 3.--, BAHN: Oy-Mittelberg nach Kempten  €5,30. Die gleichen Kosten bei der Rückfahrt. Leider gibt es ab 19 Uhr von Oy-Mittelberg keine Busverbindung mehr nach Wer- tach. Hier muss man notgedrungen ein Taxi bestellen, für das € 18 zu bezahlen sind. Hier im Oberallgäu sollte man sich ein Beispiel am Ostallgäu nehmen, da können Rentner (Senioren) über 60 Jahren mit 50% Fahrpreisermäßigung die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Warum ist das im Oberallgäu nicht möglich?

 

Der Ausbau eines flächendeckendes ÖPNV Netzes ist mir sehr wichtig und wird eines der nächsten
Ziele für das Oberallgäu sein. In diesem Zusammenhang werde ich mich dafür einsetzen, dass eine 50 prozentige Ermäßigung für Senioren ab 60 eingeführt wird. Auch im Alter ist es wichtig, mobil zu sein - ohne Auto! Selbstverständlich sollen innerhalb des kommunalen Busunternehmens alle Busse barrierefrei sein.Die Einführung des 100 € Tickets ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung – nicht nur für Rentner! Alle Gemeinden sollten mindestens im Stundentakt erreichbar sein, auch abends und am Wochenende. Dazu brauchen wir ein flächendeckendes, kommunales Busangebot (Allgäu-Bus), das für entlegenere Gebiete und Randzeiten ein Rufbussystem anbietet. Die Regionalbahn mit neuen und reaktivierten Bahnhaltepunkten ist ein weiterer zentraler Baustein. Wir müssen das Tarifsystem neu überdenken und vereinheitlichen, indem wir einen kommunalen Verkehrsverbund (Allgäu) gründen.

 

 

5. Ingrid Fischer, Sonthofen: Wie stehen Sie zu einem „Fair-Trade Landkreis Oberallgäu“?

 

Ich möchte, dass der Landkreis dem Beispiel einiger Städte wie Sonthofen folgt. Anträge dazu wurden eingebracht, u.a. von den Grünen. Vor sechs Jahren waren die Voraussetzungen noch nicht erfüllt, inzwischen schon, aber vor kurzem wurde das Vorhaben von einer deutlichen Mehrheit im Kreisausschuss abgelehnt. Nun gilt es, einen neuen Anlauf zu nehmen. Natürlich soll dann nicht nur ein „Zertifikat“ auf unserem Landkreis kleben, sondern der Faire Landkreis auch mit viel Leben gefüllt werden! Mit dieser „Eine Welt Initiative“ können wir vor Ort etwas tun und einen Beitrag dazu leisten, Fluchtursachen ein Stück weit zu reduzieren.

 

 

 

6. Anne Burger, Westerhofen:
Wie stehen Sie zu der Idee die Gewerbesteuer in Zukunft anders zu verteilen, d. h. entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinden und nicht entsprechend der Adresse des Firmensitzes/Gewerbes. 

 

Die Gestaltung und mögliche Veränderung der Gewerbesteuer ist eine Angelegenheit des Bundestages. Wir Grünen setzen uns schon lange für Veränderungen ein. Was ich vor Ort tun kann: Ich werde versuche, mit den Gemeinden ins Gespräch zu kommen, damit mehr interkommunale Gewerbegebiete entstehen, sie entwickeln, wo es möglich ist, und die Gewerbesteuer nach einem Schlüssel auf die Gemeinden aufgeteilt wird. Auf diese Weise sollen auch Gewerbegebiete auf der Grünen Fläche verhindert werden und der Wettkampf zwischen den Kommunen, um neue Gewerbeansiedelungen beendet werden. Ein zweiter positiver Nebeneffekt ist, dass es dann einfacher wird, nachhaltige Mobilitätskonzepte und Energieversorgungslösungen für die Gewerbegebiete zu schaffen, da diese von vornherein an strategisch günstigen Orten geplant werden können. Da aber die Gewerbesteuer die wichtigste Einnahmequelle für die Kommunen, die sie selber beeinflussen und steuern können, darstellt, wird das ein schwieriger Weg. Viele Gespräche werden nötig sein, um den Wettkampf der Kommunen um Firmenansiedlungen in sinnvolle Bahnen zu lenken.

 

 

7. Marianne M. Baur, Kranzegg: Was sind Ihre Schlüsselwerte und was wollen Sie davon in Ihrer Politik umsetzen?

 

Schlüsselwerte sind für mich Toleranz, Solidarität, Demokratie, ein ehrliches Miteinander in Verantwortung für die nächste Generation! Die Liste dieser gleich wichtigen Begriffe ließe sich noch verlängern, aber mit ihnen sind die zentralen Eckpfeiler für eine klare Politikausrichtung geschaffen.Klimapolitik in allen Bereichen, ob Verkehr, regionale Vermarktung oder Müll! Angebote für alle Generationen, damit das Oberallgäu weiterhin attraktiv für alle Personengruppen bleibt: Kinderärzte, Krankenhausversorgung, Ausbau von Kinderbetreuung und Kurzzeitpflegeplätzen, etc. Die Menschen mitnehmen bei politischen Entscheidungen, damit rechte Strömungen keinen Zulauf mehr bekommen.

 

8. Uta Lochmann, Sonthofen: Werden Sie alle Entscheidungen in Zusammenarbeit mit Ihrer Behörde vor dem Kreistag treffen? Schließen Sie Entscheidungen im Alleingang aus?

 

Die Landrätin hat zwei Funktionen: zum einen die Leitung der unteren staatlichen Verwaltungsebene. Hier bin ich an Recht und Gesetz des Freistaates und der Bunderepublik gebunden und möchte in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern im Landratsamt gute Lösungen für das Oberallgäu gestalten. Zum anderen ist eine Landrätin politischer Kopf der Gebietskörperschaft Oberallgäu mit ihrem Kreistag. Mein Ziel ist dabei, neue politische Wege zu gehen und bei Entscheidungen auch verschiedene Alternativen zur Abstimmung zu stellen. Meine Stimme ist dann eine von 71!

 

 

 

 

9. Andrea Müller, Waltenhofen:

Wann wird endlich das Tierleid in Allgäuer Ställen nachhaltig beendet? Wie wird sofort und überall konsequent kontrolliert? Werden diese Bauern richtig bestraft? Wird den gequälten Tieren sofort geholfen? Setzen Sie sich dafür ein! Das Allgäu hat durch diese furchtbaren Vorkommnisse erheblich gelitten und an Glaubwürdigkeit enorm verloren!

 

Die Tierskandale im Allgäu sind ein Weckruf, es muss zweifelsfrei von der Landrätin an der Spitze des Veterinäramtes alle Maßnahmen ergriffen werden, um Solches in Zukunft zu verhindern. Tierwohl steht immer an oberster Stelle. Neben den nötigen Kontrollen möchte ich auch Hilfen anbieten, wenn es in einem Betrieb Schwierigkeiten gibt. Darüber hinaus werde ich mich auf Landes-, Bundes und Europäischer Ebene für eine andere Landwirtschaftspolitik einsetzen, weil wir die kleinbäuerliche Landwirtschaft im Oberallgäu erhalten müssen.

 

 

10. Anke Maruschka, Ofterschwang:

Wie werden Sie den Tierschutz, insbesondere die Tierheime im Oberallgäu unterstützen, insbesondere im Bereich der Fundtierbetreuung, eine an die Tierheime delegierte öffentliche Aufgabe der Gemeinden? Zum Hintergrund: Aktuell bekommen die Tierheime im Schnitt nur ein Drittel der tatsächlich anfallenden Kosten für Fundtiere erstattet. (Kann belegt werden!)

 

Tierheime haben eine wichtige öffentliche Aufgabe zu erfüllen. Der Kreis muss dabei Sorge tragen, dass die Tierheime in keine finanzielle Schieflage geraten. Gegebenenfalls muss finanzielle Hilfe gewährt werden.

 

 

11. Simon Wiesinger: Mich interessiert, wie Sie zum Pariser Abkommen stehen und insbesondere wie Sie ggf. das Oberallgäu bis 2035 klimaneutral machen wollen?

 

Das Pariser Klimaabkommen muss unbedingt erfüllt werden – es stellt die wichtigste Daseinsvorsorge für die kommenden Generationen dar. Um es erfüllen zu können, muss das Oberallgäu bis spätestens 2035 schrittweise klimaneutral werden. Hierfür sind erhebliche Anstrengungen in allen Bereichen erforderlich. Hervorheben möchte ich eine verstärkte Förderung auf Landkreisebene, die für den Ausbau erneuerbarer Energien notwendig ist. Aber auch Beratungsleistungen für Bürger und Kommunen müssen nochmal verbessert werden. Enorm wichtig ist zudem eine Stärkung des Handwerks, dem eine Schlüsselrolle zukommt, um Sanierungen überhaupt möglich zu machen. Klimaschutz und Energiewende sollen bürgernah vorangetrieben werden und können, wie das Beispiel Wildpoldsried zeigt, eine erhebliche Steigerung der regionalen Wertschöpfung bewirken. Eigentlich wollen wir Grünen versuchen, dabei bereits das Jahr 2030 anzustreben.

 

 

12. Irmela Fischer, Oberstdorf:
Welchen Stellenwert haben Natur und Landschaft in Ihrer politischen Arbeit und was gedenken Sie zu unternehmen, dass Artenvielfalt, Bodengesundheit, Wasserreichtum, Wasserqualität, artenreiches Grünland, Feuchtwiesen, Moore und naturnahe Wälder im Oberallgäu erhalten bleiben, zurück kehren bzw. sich wieder ausdehnen können?

 

Initiativen zu Erhalt und Renaturierung der Moore sowie zur Verbesserung der Bodengesundheit und ähnlichen Naturgütern sollen von Seiten des Landratsamtes noch stärker unterstützt werden. Eine schrittweise Ausdehnung ist wichtig, ohne jedoch angrenzende landwirtschaftlich genutzte Flächen negativ zu beeinflussen. Jahreszeitliche Lösungen und freiwillige Kooperationen haben sich in anderen Regionen als sehr positiv erwiesen. Der Landkreis sollte in die NATURA 2000 Management-Schutzpläne miteinsteigen. Initiativen wie die Moorallianz gilt es weiterhin fortzuführen. Grundsätzlich gilt: Schutzgebiete müssen geachtet werden. Bei landkreiseigenen Projekten z.B. im Straßenbau sowie bei der Förderung von Projekten z.B. im Tourismus muss der Naturschutz einen höheren Stellenwert als bisher erhalten.  Der Naturschutz ist immer auch Klimaschutz. 

 

 

13. Merrit Gassner, Sonthofen:

Welche Schritte wollen Sie und Ihre Partei ganz konkret umsetzen, um den "Masterplan 100% Klimaschutz" im Allgäu zu realisieren? Wollen Sie sich dafür einsetzen das die für 2050 anvisierten Ziele, schon 2035 erreicht werden, weil es 2050 aller Voraussicht nach eh schon zu spät ist für die Erde und ihre Bewohner?

 

 

Unbedingt – ich stimme Ihnen zu, dass die Zielerreichung 2050 viel zu spät kommt, um das 1,5- oder 2°C Ziel einzuhalten. Wir wollen durch Beratungen und Förderprogramme den Anreiz deutlich erhöhen, selber erneuerbare Energien zu installieren. In Zusammenarbeit mit der regionalen Energieagentur eza! sollen auch die Kommunen den Weg zur Klimaneutralität 2035 finden. Es ist wichtig, dass diese mit ihren Gebäuden und Einrichtungen als gutes Beispiel vorangehen – insbesondere natürlich die landkreiseigenen Gebäuden. Bis heute wurde beispielsweise trotz optimaler Eignung noch immer keine PV-Anlage auf dem Landratsamt installiert. Klimaschutz umfasst aber auch die Umstellung des Verkehrs, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft.

 

14. Andreas Güthler, Ofterschwang: Der Ausbau des ÖPNV und Radverkehrs wird von nahezu allen Politikern befürwortet. Wie wollen Sie sicherstellen, dass hierdurch tatsächlich PKW-Verkehr verlagert wird? Sind hierzu neben einer Förderung des Radverkehrs sowie günstigen und gut ausgebauten ÖPNV-Angeboten auch Maßnahmen zur Einschränkung des PKW-Verkehrs nötig? z. B.: Wie stark sollen Parkgebühren verteuert werden? Sind Sie für einen vollständigen Stopp weiterer Straßenaus- und -neubauten? Wie könnte sonst vermieden werden, dass gute ÖPNV-Angebote zu zusätzlichem Verkehr statt zu einer Verlagerung des Verkehrs vom PKW führen?

 

Im Klimagesetz der Bunderegierung steht das Ziel, im Verkehrssektor bis 2030 den Klimagasausstoß um 36% zu senken. Hier müssen wir zügig aktiv werden: Ich schließe mich dem im November eingebrachten Antrag der Grünen im Kreistag an. Dieser sieht vor, Mittel aus dem Etat für Straßenbau umzuwidmen und für den Ausbau des ÖPNVs zu verwenden. Wir müssen eine Mobilitätgarantie von 5-24 Uhr erreichen. Der PKW-Verkehr muss mit einem geschickten Parkraummanagement mit entsprechenden Parkgebühren, die zu einer Verlagerung des Verkehres führen, verringert werden. Die Regionalbahn Allgäu muss künftig mit neuen Haltepunkten das Rückgrat des Öffentlichen Nahverkehrs werden. Bus und Bahn muss deutlich günstiger werden. Das Allgäu als Tourismusregion hat mit 36.5 Mio. Tagestouristen ein enormes Potential für Bus-und Bahnkunden.  500 Mio. Euro für den Ausbau der B12 zur neuen Allgäu-Autobahn von Kempten nach Buchloe sind in meinen Augen besser in die Elektrifizierung der Allgäuer Bahnstrecken und in den Ausbau der ÖPNVs investiert, damit auch die Fernverkehrszüge zukünftig wieder ins Allgäu rollen. Der Landkreis muss weiter die Fahrradwege ausbauen und sich für sichere Abstellmöglichkeit in Zusammenarbeit mit den Kommunen einsetzen. Dazu sollte das Allgäu die kostenlose Fahrradmitnahme in Zügen wiedereinführen.

 

15. Johanna Kling:
Wie stehen Sie zur Installation mehrerer tausend Mobilfunksender für den neuen Mobilfunkstandard 5G im Oberallgäu? Sind Sie sich bewusst, dass die gesetzlichen Grenzwerte nicht ausreichen, um Schäden an der Natur und der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger auszuschließen?"

 

Die grüne Landtagsfraktion und auch ich setzen sich für die Gewährleistung eines hohen Schutzniveaus für Umwelt und Gesundheit im Sinne des Vorsorgeprinzips ein und fordern die Wirkung von elektromagnetischen Feldern auf Mensch und Umwelt weiter intensiv zu erforschen. Mir ist klar, dass bei der jetzigen Frequenzvergabe ca. 600000 Standorte für 5G notwendig werden. Hier muss darauf geachtet werden, dass die Mobilfunkbetreiber die gleichen Standorte nutzen. Ferner, dass alle Standorte auch mit Glasfaserkabel angeschlossen werden, um die hohe Datenmengen mit Lichtimpulsen im Kabel abzutransportieren. Es gilt zu verhindern, dass die Netzbetreiber aus Kostengründen, gerade auf dem Land, zum Abtransport mit "Richtfunkstrecken" arbeiten. Inwieweit Technologien wie LiFi eingesetzt werden können, werde ich im Falle meiner Wahl, in einer  Arbeitsgruppe mit meinen Fachleuten vom Landratsamt, der Wirtschaft und Bürgerinitiativen wie Ihrer abstimmen.

 

 


16. Elke Schneider, Immenstadt:
Thema Mobilfunkausbau:  Welche Prioritäten setzen Sie beim Mobilfunkausbau? Und was halten Sie von der Errichtung von sog. „Weißen Zonen“ (funkfreien Zonen)?

 

Die vielen Funklöcher in der Region sind für die Mehrheit der Bevölkerung, auch unter dem Aspekt der gleichen Chancen von Stadt und Land wie auch der Notfallrettung, ein Ärgernis. Bei allem Ausbau des Mobilfunks gilt für mich, dass wir eine sorgfältige Auswahl der Standorte für Masten haben und dass dabei der Aspekt des Schutzes der Bevölkerung den Vorrang hat. Außerdem setze ich mich für niedere Grenzwerte, etwa wie in der Schweiz, ein.

 

 

 

Fragen an Christina Mader:

 

17. Susanne Greiter, Immenstadt:
Sie sind mit Ihren knapp 40 Jahren im besten Arbeitsalter, hätten theoretisch Zeit für vier Amtsperioden. Wie sieht danach das Oberallgäu aus?

Ich stimme ungern Herrn Söder zu, aber wie er habe ich nach zwei oder drei Amtsperioden doch Sorge, dass man betriebsblind wird. Da finde ich, muss man Macht auch wieder abgeben können, damit eine Frau/ein Mann mit frischen Ideen und neuer Energie die drängendsten Probleme des Landkreises angehen kann.

Außerdem bin ich zuversichtlich, dass ich nach 12 Jahren mit Elan und Leidenschaft viel für den Landkreis erreicht haben werde. Das Oberallgäu ist endlich klimaneutral und erwirtschaftet zu 100% eigene Energie aus eigenen Ressourcen. Menschen aus ganz Deutschland machen gerne einen längeren Urlaub bei uns und schätzen die intakte Natur, die gute Luft und die vielen regionalen Produkte, die ihnen von den Gastgebern der Genussregion Oberallgäu angeboten werden. Meine Kinder müssen mich nicht darum bitten, nachts mit dem Auto abgeholt zu werden, sondern es gibt eine Regionalbahn mit darauf abgestimmtem Kommunalen Busnetz, das von 5-24 Uhr betrieben wird. Die Oberallgäuer sollen sich erleichtert fühlen, weil wir den Demographischen Wandel stemmen und alle gut hier im Landkreis altwerden können, ohne den eigenen Kindern permanent eine Belastung zu sein. Alle können sich in unserer Gesellschaft einbringen und teilhaben. Es wird keine rechtspopulistische Partei mehr auf den Wahlzetteln stehen, weil wir alle Menschen wieder mit ins Boot holen. 

 



18. Ludwig Immler, Bad Hindelang: Zum Thema Klimawandel, Alpenkonvention und Allgäuer Bergwald.

Seit nun etwa 25 Jahren wurde die Alpenkonvention von den Parlamenten in Bund und Land in Kraft gesetzt. Im Bergwaldprotokoll (Siehe Anhang und Artikel 2b) ist eine klare Zielsetzung ausformuliert, jedoch ist die Umsetzung für die meisten Waldbesitzer, Kommunen, Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) etc. in der Praxis unmöglich. So hat Dr. Sauter nach dem Lawinenabgang in Balderschwang vor etwa einem Jahr wegen des völlig fehlenden Jagddrucks das Scheitern beim Aufbau eines gesunden Bergmischwaldes und Schutzwaldes in der Region eingeräumt. An anderer Stelle bestätigt Forstamtsdirektor Dr. Sauter die Aussichtslosigkeit heimische Bäume wie die Tanne und Edellaubhölzer ohne Schutzmaßnahmen großzuziehen

Hier meine Frage: Werden Sie die gesetzlichen Vorgaben der Alpenkonvention im Allgäuer Bergwald umsetzen und endlich damit die Voraussetzungen schaffen das ein wachsen eines gesunden Bergmischwaldes in den Zeiten von Klimawandel überhaupt erst möglich macht? Kurz gesagt, werden Sie sich an geltendes Gesetz, die Alpenkonvention, halten?

Ja, unbedingt. Die Alpenkonvention benennt klare Vorgaben und Leitziele für eine nachhaltige Entwicklung insbesondere im Bereich Bergwald und Jagd. Für mich gilt die Devise „Wald vor Wild“, weil in unserer alpinen Region ein gesunder Mischwald nötig ist. Auf uns kommt der Klimawandel zu und so muss der Schutzwald zukunftstauglich gemacht werden, um seine Schutzfunktion vor Naturgefahren erhalten zu können. Ich werde meine Möglichkeiten als Landrätin nutzen, diese Ziele der Alpenkonvention umzusetzen.

19. Karl, Oy-Mittelberg:

Erachten Sie den Ausbau von Skigebieten mit künstlicher Beschneiung  auf einer Höhe von 1500 Metern für zukunftsfähig/verantwortungsbewusst? Dürfen hierfür Steuergelder in Millionenhöhe ausgegeben werden?

 

Sehr geehrter Herr Karl! Danke für diese Frage – nach der Podiumsdiskussion hat es mich sehr gewurmt, dass ich meine Antwort zu den Seilbahnförderungen nicht weiter ausgeführt habe. Ich war zu Beginn der Diskussion noch sehr von der Gesamtsituation beeindruckt und habe mich zu kurz gehalten. Wir stehen aufgrund der Klimakrise vor einem Umbruch im Wintertourismus. Wir werden uns die Skigebiete genau anschauen müssen: Bleiben sie schneesicher, erreichen sie die 100 Tage Grenze? Welche Skigebiete sind rentabel und förderungswürdig? Zu niedrig gelegene, kleine Skigebiete wie am Grünten sollen nicht gefördert werden, es ist kein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeld, wenn hier Schneekanonen und Schneiteiche subventioniert werden. Diese Ausgabe von Steuergeldern führt nur in eine Sackgasse, sie ist absolut nicht nachhaltig. Das Geld wird definitiv in anderen Bereichen wie dem ÖPNV nötiger gebraucht. Qualitativ können rentable Skigebiete ihre Bergbahnen nachrüsten, aber ohne die Kapazitäten dabei zu erhöhen. Neuerschließungen lehne ich strikt ab.

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